Herzensangelegenheiten

Seit Erscheinen des Albums „Nerissimo“ von Teho Teardo & Blixa Bargeld hat es mir ein Lied besonders angetan. „Ich bin dabei“- ein Song der mir für den Moment aus der Seele spricht. In den letzten Monaten habe ich mich wieder zunehmend in der Dunkelheit verloren und ich bin verzweifelt auf der Suche nach mir selbst. Dieser Zustand hat dazu geführt dass ich am Jahresbeginn mit einer Therapie begonnen habe um diesem inneren Nichts etwas Handfestes entgegenzusetzen und mich nicht vollends zu verlieren. Daher hat dieses Lied eine ganz, ganz besondere Bedeutung für mich.

Um nicht komplett verrückt zu werden bei dem ganzen „Kopfchaos“, tobe ich mich „kreativ“ aus. Diverse Zettelhalter, der frischgestrichene Flur, ein Türvorhang und ein ganz besonderes Bild sowie viel Kleinkram sind so entstanden.

 

Hier in diesem Beitrag geht es primär um das Bild, meine eigene Interpretation, angelehnt an den Song.

Ich bin ja jetzt nicht die Überkünstlerin und der ein oder andere wird sich sicherlich ob meiner „Technikfehler“ schieflachen, aber mir gefällts. Weil es eben ganz eigen ist und (m)eine Geschichte erzählt.

Ich habe aus Modelliermasse ein menschliches Herz geformt, aus Draht und Modelliermasse eine Hand die (hilfesuchend) aus eben diesem Herz ragt. Der „Frühlingswagen“ der zu dem dunklen Herz gezogen wird, ist bewusst „bunter und kitschiger“ gehalten, wobei es mir wichtig war, dass es nicht zu bunt ist. Also habe ich mit Heisskleber Stoffrosen und Metallkugeln draufgeklebt.Die Farben sind schnöde Acrylfarben…

 

Alles neu macht der Mai…

Jahaaaa, die, die mich kennen, werden jetzt sicherlich genervt mit den Augen rollen und sagen: Och nöööö… Nicht schon wieder!

Aber ich habs getan. Mal wieder. 😀 Nein, damit meine ich nicht, dass ich kleine Kinder gefressen oder rechtsdrehend meinen Namen im Mondlicht am Freitag den 13. getanzt habe, sondern ich habe (mal wieder) renoviert.

Alte Tapete runter, Wand verspachtelt, Tiefengrund drauf und neu gestrichen. Und wo ich eh schon dabei war, ist nun auch unser Schuhschrank dank Acrylfarbe einheitlich (mit der Kommode) angepinselt worden.

Im gleichen Atemzug hat das Kind direkt mal Nachhilfe in Sachen „Wie bekomme ich festgepappte Tapete von der Wand?“ und „Wofür ist eigentlich Tiefengrund?“ bekommen.Geworden ist´s ein Bordeuxrot und eine Wand in Grau.

Und endlich, endlich haben meine Schmetterlinge und Fledermäuse auch einen würdevollen Platz gefunden. Zuvor lagen sie nämlich, dank fehlendem Platz an der Wand, traurig in der Schublade rum.

Ein Blumenkübel wurde dan Acrylfarbe passend zur Kommode als Schirmständer umfunktioniert und selbst dem Gatten, der vorher ein wenig skeptisch über die massive Fledermausinvasion war, gefällt es. Klassenziel erreicht. 😀

Gothic Friday 2016: Schwarz wie Ebenholz und weiß wie Schnee

 

Hah, tolles und für mich sehr sensibles Thema, denn dafür muss ich ganz tief in die „Damals-Kiste“ reingreifen um ein zusammenhängendes-verständliches Ganzes zu schaffen.

Hier der Link: http://www.spontis.de/schwarze-szene/gothic-friday/mai-schwarz-wie-ebenholz-und-weiss-wie-schnee/

Also damals:

2001 bin ich mit 17 von zu Hause ausgezogen. Mein Elternhaus war so, wie man es niemandem wünscht: Geprägt von Angst, Gewalt und vielen, vielen Tränen. Über viele Umwege verschlug es mich in eine Wohngruppe für Jugendliche. Dank Antidepressiva und weiteren Medikamenten nahm ich damals innerhalb kürzester Zeit 40 kg + zu, nach meiner Schwangerschaft 2005 kamen noch x Kilo drauf. In der Zeit zog ich mich heftig zurück, versuchte zwanghaft „normal“ zu sein um nicht aufzufallen. Im Nachhinein echt zum Lachen. Denn mit DER Gewichtsklasse fiel ich definitiv auf, da hätte ich anziehen können was ich wollte.

2013 krempelte ich mein Leben komplett um nachdem die Angst, eines Tages nicht mehr aufzuwachen, Überhand nahm. Innerhalb eines Jahres nahm ich mit Sport und Ernährungsumstellung knapp 60kg ab. Dieses Hochgefühl, endlich wieder das tragen zu können, was ich wollte und nicht nur das was mir passte, war umwerfend. Innerhalb kürzester Zeit wurde mein Kleiderschrank wieder komplett schwarz, die Haare experimenteller, die Schminke und ich auffälliger. Ich war endlich angekommen. Stundenlanges Tanzen auf einschlägigen Partys und Konzerten rundeten die ganze Sache noch ab.

Ein Freund sagte noch vor kurzem zu mir: „Anna, das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ich hab dir das nie gesagt, aber: Als ich dich damals kennengelernt habe (2011?), hat mich unsere erste Begegnung wahnsinnig erschüttert. Du hast auf dem Balkon gesessen und Musik gehört, und diese wahnsinnige Traurigkeit die du ausgestrahlt hast war schwer zu ertragen. Du hast so schrecklich traurig ausgesehen… Das ging mir wahnsinnig nahe!“

Besser hätte ich es nicht ausdrücken können. Die Traurigkeit beruhte darauf, nicht so sein zu können (einfach aus der persönlichen Hemmung heraus), wie ich wollte. Alles das änderte sich ab 2014 schlagartig und ich konnte endlich sagen: Scheiß drauf was andere sagen!

Nun muss ich gestehen, dass doch wieder knapp 20kg drauf sind, einfach weil ich wieder wenig Sport gemacht habe und die Ernährung schleifen ließ. Aber ich bin , für mich, immer noch gefühlte Lichtjahre von meinem Ausgangsgewicht entfernt (& arbeite wieder fleißig am Abwurf der Kilotierchen). Trotzdem stehe ich immer noch Stunden auf der Tanzfläche und therapiere mich regelrecht selbst. Ja, ich weiß dass ich zuviele Kilos hab, aber ganz ehrlich: Ich lasse mir nichts mehr verbieten oder mies machen!

Hier also ein paar Impressionen die ich grade so zusammengesucht habe.

I: Zerstörung mit Stil

Ich liebe abgerockte Strumpfhosen: Je zerfetzter, desto besser. Super hinzubekommen mit Schmiergelpapier, Nagelfeile, Nagelclipser, Rasierklinge und allem was zerstört.

II: Schminketechnisch hau ich gerne mal in den Kasten. Leider steht mir sehr helle/weiße „Grundierung“ nicht. Damit sehe ich aus wie ein dicker, weißer Mond. Daher beschränke ich mich auf das, was zu meinem Hautton passt:

Meine „Renovierungskiste“…

III: Gut. Zur Haarfarbe und Frisur muss ich wohl nicht viel sagen. 2013 gingen mir die Haare noch bis zur Hüfte, ab Sept.13 wurden sie in einer Nacht und Nebelaktion schrittweise immer kürzer. Insgesamt 3 Mal, bis sie etwa schulterlang waren. Mitte 2014 ließ ich sie dann radikal kurz bis über die Ohren abschneiden. Mittlerweile sind sie wieder schulterlang. An Haarfarben war bis auf Blau und Grün alles dabei, was die Farbkiste so hergab. Rot, Pink, Schwarz, Rosa, Kupfer und co. Hier schonmal beschrieben:

Haariges Allerlei

IV: Klamottenmäßig bin ich tagsüber „praktisch-schwarz“ und feiermäßig „gefälltmir-schwarz“ unterwegs.

 

V: Was nie fehlen darf ist „duftendes“: Ich liebe Patchouli (mein Sohn und meine „Omis“ stehen da übrigens auch drauf) in allen Varianten. Meist mische ich mir mit unterschiedlichen Körperölen selber meine „Duftmischung“ an. Und die Parfums von „Dita von Teese“, vor allem das „Rouge“. Da könnte ich täglich drin baden:

 

VI: Nagellack trage ich selten, weil einfach zu unpraktisch für die Arbeit, Schmuck aber täglich.CAM00823

Meine Inspiration ist alles, was gefällt. Ich versuche allerdings schon, mich meinem Gewicht passend anzuziehen. Mir würde es zum Beispiel nicht in den Sinn kommen, mit Ultramini durch die Gegend zu zockeln – einfach weil es nicht schön wäre. Und ja, ich darf das sagen: Ich bin nämlich auch dick. Es gibt soviele andere Möglichkeiten sich hübsch zu machen, auch mit mehr Kilos auf den Rippen. Da muss es nicht unbedingt nach dem „Weniger ist mehr“ Prinzip sein…

Letztendlich denke ich, jeder soll und kann und darf das anziehen wonach ihm ist. Denn es liegt schließlich in der eigenen Verantwortung, das Beste aus seinem Typ herauszuholen, und solange man sich damit wohl fühlt, bitte.

Und immer daran denken:

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(Fundstück auf einem Chameleons Konzert in der Damentoilette)

Was uns ausmacht…

Neulich wurde im TV von einer Jugendstudie berichtet in der festgestellt wurde, dass die „Jugend von heute“ darauf bedacht ist, bloß nicht aufzufallen. Lieber Mainstream und unauffällig mit der Masse mitschwimmen als auffallen. Sehr schade, wie ich finde. Ist es nicht gerade unsere Individualität die uns ausmachen sollte?

Was bringt es, unbemerkt und angepasst durchs Leben zu schlurfen anstatt sich selbst zu verwirklichen? Gehört „optische“ Rebellion nicht zum „Großwerden“ dazu? Und ziehen wir so nicht die nächste Generation Unglücklicher heran die zwar gerne würden aber sich nicht trauen?

Ich erlebe hier momentan hautnah, was dieser Gruppenzwang bedeutet. Das Kind, 11 Jahre, Gymnasium, würde gerne Iro tragen. „Gut,“ sag ich „mach das Kind. Ich finds toll…!“. Aber nein. Die anderen würden ihn dann sicherlich auslachen. Trotz allem guten Zureden und dem Vorleben des „Andersseins“ ist die Angst, ins gesellschaftliche Abseits gedrängt zu werden, leider zu groß.

Noch ist die Kraft, diese „Ausgrenzungen“ gekonnt wegzulächeln, nicht groß genug. Aber wenn ich meinem Kind eins wünsche, dann ist es, zu lernen, seinen Wünschen und Träumen zu folgen.

Denn nichts macht uns authentischer als das auszuleben, was in uns vorgeht. Und wenn andere meinen das nicht akzeptieren und respektieren zu müssen, dann ist es deren Problem und nicht unseres. Und die Probleme der anderen sollte man schließlich nicht zu seinen eigenen machen, oder? 😉

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